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cr
13:20

Wenn es hier geschehen wäre...

Nach einem Reaktorunfall im Atomkraftwerk Ribnitz II an der Ostseeküste sind große Teile Mecklenburg-Vorpommerns und Teile Brandenburgs radioaktiv verseucht. Rostock, Stralsund, Greifswald und die Insel Rügen wurden evakuiert. Die Bundeswehr hat eine Sperrzone errichtet. In Lübeck, Schwerin und einigen Vororten Hamburgs gibt es provisorische Auffanglager in Turnhallen, in denen rund 20 000 Strahlenflüchtlinge leben. Dekontaminationstrupps gehören in den nur leicht kontaminierten Gebieten Mecklenburg-Vorpommerns nun ebenso zum Alltag wie die bunten Kinder-Dosimeter beim Besuch von Kindergärten und Schulen.

Auch die Hauptstadt Berlin wurde nach Strömungsberechnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) an mehreren Tagen von Luftmassen mit hoher Isotopenkonzentration überzogen, aber Ergebnisse aktueller Isotopenmessungen sind nicht erhältlich. Unter Berufung auf Studien an den Opfern der Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki heißt es von behördlicher Stelle, dass die nun zehnfach höhere Gamma-Hintergrundstrahlung in Berlin-Weißensee unbedenklich sei. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat die zulässigen Höchstwerte kurz nach der Katastrophe verzwanzigfacht. Privat finanzierte Analysen von KFZ-Luftfiltern aus Berlin-Prenzlauerberg ergaben, dass Berliner Bürger im April und Mai bis zu zehn Alpha-Strahlung emittierende Staubpartikel pro Tag eingeatmet haben könnten.

Nach der anfänglichen Sensationsberichterstattung von ARD und ZDF und der Meldung, dass der Betreiberkonzern die Lage in Riebnitz nach eigenen Angaben nun unter Kontrolle habe, schweigen der öffentliche Rundfunk sowie die großen Zeitungen weitgehend zur aktuellen Situation. Ein Hauptstadt-Journalist, anhand dessen detaillierter Berichterstattung Kritiker belegen konnten, dass kritische Informationen in der Frühphase des Unfalls zurückgehalten und seitens der Regierung und des Energiekonzerns falsche Aussagen zur Lage am Unglücksort gemacht wurden, arbeitet nun in der Lokalredaktion einer kleinen Stadt. Eine Eilverordnung der Bundesregierung verpflichtet Medienorgane und Internet-Provider, die Verbreitung "verunsichernder oder aufrührerischer Information" mit technischen Maßnahmen zu verhindern.

Der verantwortliche Betriebsleiter des Reaktors Riebnitz II trat zur Behandlung einer Krebserkrankung von seinem Posten zurück. Auch bei Showmaster Thomas Gottschalk, der vor einem dreiviertel Jahr in seiner Sendung aus Solidarität mit den betroffenen Bauern Speisen aus Mecklenburg-Vorpommern verzehrte, stellten Ärzte eine seltene Krebsart fest. Im Internet kursieren Fotos von angeblich mutierten Nutz- und Wildtieren aus der Ostseeregion. Aus einem ländlichen Teil Brandenburgs berichtet eine 35-Jährige von ungewöhnlichen Hämatomen ihrer Haut, und dass ihr Haare und Zähne ausfallen. Die Glaubwürdigkeit der amateurhaften Bilder und YouTube-Videos bleibt jedoch fraglich.

Derzeit sind die meisten deutschen Atomkraftwerke für Wartungsarbeiten und Sicherheitstests durch die Betreiber heruntergefahren. Der Import fossiler Brennstoffe wurde derweil zur Kompensation vervierfacht. Laut eines Berichtes der Süddeutschen Zeitung plant die Regierung, die Restlaufzeit der Reaktoren auf 60 Jahre zu erhöhen, weil sie fürchtet, gegen den anhaltenden Protest der Bevölkerung keine neuen Anlagen mehr genehmigen zu können.

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